Nachhaltige Stadtentwicklung:
Perspektiven des Detailhandels in der Basler Innenstadt

Projektleitung Dr. Andrea Kampschulte

Hochschule Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Hochschule für Wirtschaft

Wirtschaftspartner Baudepartement des Kantons BS, Hochbau- und Planungsamt
Kurzbeschreibung

Hintergrund
Attraktive Innenstädte übernehmen wichtige Funktionen als Kern städtischen Lebens, sozialer Treffpunkt, Erlebnis- und Freizeitraum, Anziehungs- und Orientierungspunkt im Fremdenverkehr und Versorgungszentrum. Dominierendes Element der City ist der Detailhandel. Entsprechend ist die aktuelle Innenstadtentwicklung eng mit den Entwicklungen im Detailhandel gekoppelt. Allgemeinen Entwicklungstendenzen im Detailhandel, die mit den Schlagwörtern "Textilisierung" (Funktionsentmischung), "Filialisierung" (Uniformität) und "Einkaufen auf der Grünen Wiese" umrissen werden können, führen zu Attraktivitäts- und Funktionsverlusten und letztendlich zu einer Verödung der Innenstädte.

Problemstellung
Ähnliche Entwicklungen, gekoppelt mit demographischen, ökonomischen und stadtstrukturellen Veränderungen, die sich nachhaltig auf das Einkaufsverhalten, die Kaufkraftströme und die Einkaufsstandorte auswirken, sind auch in der Innenstadt Basels zu beobachten. Um nachteiligen Prozessen entgegenzuwirken, zählt es daher zu den vordringlichen Forschungsaufgaben, die für die zukünftige Entwicklung der Basler Innenstadt bestimmenden Faktoren sowie Massnahmen zur Erhaltung bzw. Steigerung ihrer Attraktivität und Funktionsfähigkeit zu ermitteln.

Ziele
Das Baudepartement des Kantons Basel-Stadt hat dies erkannt und plant daher einen integralen Aufwertungsprozess der Innenstadt einzuleiten. Im Vorfeld sollen die bisherigen und aktuellen Entwicklungen sowie die zukünftigen Perspektiven des innerstädtischen Detailhandels in Basel untersucht werden. Ziel ist es anhand mehrerer zeitlicher Querschnitte (1975, 2001, 2005) Persistenz und Wandel in Struktur und Funktion der Basler Innenstadt zu erfassen und zu analysieren. Daraus sollen i. S. einer nachhaltigen Stadtentwicklung mögliche Entwicklungstendenzen und Aufwertungs-massnahmen abgeleitet werden.

Erwartete Ergebnisse
Im Mittelpunkt steht dabei die Kartierung der Erdgeschossnutzung (horizontale Nutzungsstruktur) der innerstädtischen Geschäftsstrassen. Basis bildet die Entwicklung eines Kartierungstools zur Erfassung der Detailhandels- und Dienstleistungsstruktur. Als primärstatistisches Erhebungsverfahren ermöglicht die Kartierung auf der Grundlage von Nutzungseinheiten (ein Einzelhandels- bzw. Dienstleistungsbetrieb entspricht einer Nutzungseinheit) qualitativ erhobene Merkmale zu quantifizieren. Verschiedene zeitliche Querschnitte im Vergleich lassen Rückschlüsse auf lang- und kurzfristige Veränderungen in Struktur und Funktion der Innenstadt sowie mögliche Entwicklungstendenzen zu. Aus dem Nutzungswandel bzw. der Nutzungspersistenz, dem Branchenmix, den Leitbranchen, dem Filialisierungsgrad, der Bedienungsorganisation, dem Preisniveau und der Physiognomie der Geschäftsstrassen lassen sich Rückschlüsse auf die Attraktivität der Innenstadt und ihre zukünftige Entwicklung ziehen. Hieraus können wichtige Entwicklungsfaktoren identifiziert und attraktivitätsstabilisierende oder zu ergreifende Massnahmen gegen Funktionsverlust und Verödung der Innenstadt abgeleitet werden.

Nutzen
Insgesamt sollen der Wirtschaft und der Stadtentwicklungsplanung damit objektive/quantitative Beurteilungsgrundlagen für die aktuell anstehenden Entscheidungen und zur weiteren Prozesssteuerung geliefert werden. Durch die Umsetzung der Kartierungen in Tabellen und Graphiken werden dem Baudepartement zudem leicht zu handhabende Argumentations- und Planungsgrundlagen zur Verfügung gestellt.

Die Ergebnisse sind nicht nur für das Baudepartement, sondern im Sinne des integralen Prozesses auch für alle direkt (Standort in der Innenstadt) und indirekt beteiligten Wirtschaftspartner und in- und auswärtige Konsumenten von Relevanz. So ist die Attraktivität der Innenstadt z.B. für die Wohnbevölkerung (Attraktivität Basels als Wohnort, Innenstadt als sozialer Treffpunkt, Begegnungszonen), aber auch für den Tourismus ein wichtiger (Wirtschafts-)Faktor.

Das Projekt ist von praktischem Nutzen, da das Kartierungstool leicht zu handhaben und zielorientiert einzusetzen ist. Im Sinne des New Public Managements kann es in regelmässigen Abständen als Kontroll- und Evaluationsinstrument der Stadtentwicklungsplanung eingesetzt werden. Erfolge eingeleiteter Massnahmen, Strategien, Projekte und Zielvorgaben können so stets überprüft und flexibel angepasst werden.